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Biografie
- 2.6.1874 geb. in Bremen
- 1890 Lehre in Hannover
- 1893 Militärdienst in Bremen
- 1894 erst Prokurist in der Firma seines Vaters, dann Teilhaber. Mitglied in der "Niedersachsenrunde von 1900", Sammler heimatlicher Kunst
- 1902 Kauf des Hauses Böttcherstraße 6
- 1906 Patentierung des Entcoffeinierungsverfahrens und Gründung der Kaffee-Handels-AG, große Werbekampagne, Herausgabe der literarischen Zeitschrift "Güldenkammer"
- 1910 bis 13 Wohnsitz in Berlin
- 1915 vom Auswärtigen Amt zum Leiter der Propaganda auf dem Balkan, dann in Skandinavien ernannt, kurzzeitig Soldat
- 1917 Ernennung zum bulgarischen Generalkonsul mit Sitz in Bremen, Vorsitzender des Beirats der Zentralstelle für Außenhandel, Mitglied des Prüfungsausschusses für Anwärter des auswärtigen Dienstes
- 1918 Bekanntschaft mit Bernhard Hoetger
- 1919/20 Gründung des Angelsachsen-Verlages
- 1920er Jahre Wiederaufbau der Auslandsvertertungen und -betriebe der HAG, zahlreiche Reisen weltweit
- 1922 Ehrendoktorwürde der Universität Münster, Beteiligung an den Bremer Focke-Wulf-Flugzeugbauwerken
- 1922 Beginn der Erneuerung der Böttcherstraße auf seine Initiative und nach seinen Vorstellungen
- 1929 Entwicklung und Markteinführung von KABA
- 1931 zum 25-jähigen HAG-Jubiläum: Vollendung der Böttcherstraße mit der Fertigstellung des Robinson Crusoe-Hauses
- 1933 begeisterte Zustimmung zur Machtübernahme der NSDAP
- 1933 und 1934 Ruf zum Ersten und Zweiten "Nordischen Thing" in der Böttcherstraße
- 1935 Herausgabe der Sammelmappen "Deutsche Kunst"
- 1936 Ächtung der Böttcherstraßen-Kultur durch Adolf Hitler
- 1942 häufig in Berlin
- 15.5.1943 gestorben in Berlin
Die Idee
Ludwig Roselius war vielseitig interessiert und ein Mensch der Tat. Seine finanziellen Möglichkeiten gestatteten es ihm, seine Ideen ohne Umschweife in die Realität umzusetzen. Sein Interesse für die Geschichte seiner Heimatstadt und Norddeutschlands schlug sich in einer großen Sammelleidenschaft für Archäologisches, Antiquarisches und Kunst nieder.
Der Zusammenbruch nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und der als Schmach empfundene Versailler Vertrag brachten den konservativ-national denkenden Kaufmann auf die Idee, mit der Gestaltung der Böttcherstraße als Gesamtkunstwerk einen neuen Anfang zu wagen, der aus der Vergangenheit schöpfend in die Zukunft weist.
Wie viele seiner konservativen Zeitgenossen begrüßte Roselius zunächst die Machtergreifung der Nationalsozialisten und war ein Anhänger Hitlers, schienen sich doch seine utopischen kulturellen Vorstellungen mit denen der Nationalsozialisten zu decken. Roselius geriet jedoch in Konflikt mit der Partei, als ab 1935 die NS-Presse seine Böttcherstraße ins Visier nahm und sogar einen Teilabriss forderte. "Der Nationalsozialismus lehnt diese Art von Böttcher-Straßen-Kultur schärfstens ab“, so Hitler in einer Rede 1936. Roselius sollte sich von seinen Ideen und der Böttcherstraße distanzieren. Der versuchte, seine Straße mit Hilfe baulicher Veränderungen vor der drohenden Zerstörung zu retten. So ließ er die expressionistische Glasskulptur am Eingang der Böttcherstraße durch das Relief "Der Lichtbringer" im Jahr 1936 ersetzen. Bei genauem Hinsehen erkennt man hier die Huldigung an Hitler. In der Inschrift "Dieses ist das Paula Becker-Modersohn-Haus (...) das siegend steht, wenn tapferer Männer Heldentum verweht" ließ er das Wort "wenn" durch "bis" ersetzen, was dem Satz einen anderen - regimekonformen - Inhalt gab. Letztlich blieb die Straße somit unangetastet und wurde 1937 unter Denkmalschutz gestellt. Beim Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg wurde übrigens wieder das ursprüngliche "wenn" eingesetzt.
Die Zerstörung seines Lebenswerkes durch Brandbomben am Ende des Zweiten Weltkriegs musste Ludwig Roselius nicht mehr miterleben. Er starb am 15.05.1943 nach langer Krankheit.









